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18.05.2020 20:17

Corona, was ist das? Eine Geschichte* für junge Leute zu Schulbeginn

Ich verrate dir jetzt ein paar Dinge über dieses wuziwinzige Corona-Virus, über das jetzt alle reden. Das Wichtigste zuerst: Dieses wuziwinzige Dings hat gar keine Beine und keine Flügel. Es kann weder hüpfen noch fliegen, sondern braucht immer ein Transportmittel, um von einem Menschen zu einem anderen zu gelangen. Und um jemanden krank zu machen, braucht es dort noch einen Eingang: Mund oder Nase.

Am liebsten reist das Virus mit einem Flugzeug.

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Weil es so wuziwinzig ist, reicht ihm als Flugzeug ein Wassertröpfchen. Große Wassertropfen fliegen nicht, sondern fallen sehr rasch auf den Boden, wie bei Regen. Deshalb kommen nur ganz, ganz kleine Tröpfchen als Virusflugzeuge in Frage, wie wir sie von Nebel oder Küchendampf kennen. Ein klein wenig von einem solchen Nebel erzeugen wir auch beim Atmen. Damit kranke Leute es nicht auf diese Reise schicken können und gesunde Leute ihm keinen Landeplatz zur Verfügung stellen, tragen wir alle jetzt einen Mund- und Nasenschutz. Oder wir achten auf den richtigen Abstand: Wenn Leute ihre Arme gaaaanz weit ausbreiten und sich damit im Kreis drehen, soll noch immer ein wenig Abstand zwischen ihnen sein. Versuch das mal! Durch so viel Abstand wird nämlich die Reise zu lange, denn winzigen Wassertröpfchenflugzeuge können gar nicht besonders weit fliegen.

Wir sollen deshalb nicht nur jetzt, sondern überhaupt nie andere Leute anniesen oder anhusten, denn auch da schicken wir solche Wassertröpfchen auf die Reise. Jede Grippe, Husten- oder eine Schnupfenkrankheit mag diese Flugzeuge auch gerne. Wenn wir kein Taschentuch dabeihaben, lieber in die Armbeuge niesen oder dorthin, wo weit und breit niemand steht. Denn dann landen die winzigen Flugzeugtröpfchen nur im Taschentuch, in der Armbeuge oder auf dem Boden und das Virus kommt nicht weiter. Reise zu Ende.

Ein weiteres Transportmittel sind die Hände. Wenn sich ein kranker Mensch an der Nase kratzt oder in die Hand niest, kann es sein, dass das Virus danach auf der Haut klebt. Sobald dann zum Beispiel ein Türgriff angefasst wird, klebt es danach vielleicht dort. Benutzt nun ein anderer Mensch diesen Türgriff, wo das Virus klebt, dann kann es auf der neuen Hand weiterreisen. Landen und krank machen kann es jedoch nur, wenn sich dann dieser Mensch an der eigenen Nase kratzt oder seinen Mund berührt. Denn wie schon gesagt, ohne Eingang kommt das Virus auch nach seiner Landung nicht weiter.

Öfter als wir alle glauben, fassen wir uns mit der Hand ins Gesicht, ganz automatisch. Daher schütteln wir uns jetzt nicht die Hände oder geben lieben Leuten, mit denen wir nicht zusammen wohnen, keine Bussis mehr. Der Mundschutz hilft sehr gut dabei, daran zu denken, die Hände weg vom Gesicht und den Abstand einzuhalten. So kann das Virus keine Reise antreten und nirgends landen.

Du merkst sicher: Das Virus ist kein Tier, sondern so etwas wie ein wuziwinziger Samen eine Pflanze, aus dem ja ohne den richtigen Landeplatz auch nichts wachsen kann, weil er vertrocknet. Oder wie ein Speicherstick, der an einen Computer angesteckt werden muss, sonst liegt er einfach so herum, tut nichts und geht irgendwann verloren.

Und noch ein Tipp: Eine Seife macht dieses Virus (übrigens auch Pflanzensamen und Speichersticks) ganz rasch total kaputt. Deshalb ist das gute Händewaschen mit viel Seife jetzt noch wichtiger als früher.

Wenn so ein Virus also kein Transportmittel oder keinen Eingang findet oder auf seiner Reise mit Seife gewaschen wird, passiert einfach gar nichts und du und ich und alle bleiben gesund.

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*Information ohne Schuld- und Angstmacherei: Geschichten wie diese retten Leben: www.aerzte-ohne-grenzen.de/nigeria-noma-geschichten-projekt  Mehr hilfreiche Geschichten unter www.geschichtenundpsychologie-shop.at

Alle Infos nach derzeitigem Wissenstand, z.B.. https://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_87184866/coronavirus-infektion-anzeichen-fuer-symptome-uebertragung-verlauf-behandlung.html

20.03.2020 11:06

Corona - Wer hat die Schuld? Und wer fühlt sich schuldig?

Eine Pandemie! Kaum ist die erste Schreckstarre vorbei, beginnt bereits die Suche nach den Schuldigen. Wer hätte wann was wie früher oder später tun sollen? Sogar Verschwörungstheorien kursieren: alles Absicht? Allerorts wird über die Schuldfrage diskutiert, großzügig und radikal Vorwürfe verteilt. Wieso eigentlich? Wäre es nicht klüger, zuerst über Lösungen nachzudenken, zu der Sie und ich etwas beitragen können, als uns so viele Gedanken über die Schuld - die natürlich bei anderen liegt - zu machen?

Hinter dieser exzessiven Schuldsuche steckt unsere menschliche Neuropsychologie. Denn schon seit Steinzeiten sucht unser Gehirn beständig Ursachen für das, was war und jetzt ist, um daraus zu lernen. Es bildet auf dieser Basis Erwartungen, um die Zukunft noch besser voraus zu berechnen und noch besser als gestern überleben zu können. Deshalb ist ein überaus sinnvoller Reflex, Fehler zu suchen und die Frage "Warum ist es passiert?" zu stellen. Denn wer relevante Ursachen, die richtigen Kausalzusammenhänge und falsche Entscheidungen findet, kann in Zukunft Fehler vermeiden, besser oder sicherer leben. Die Menschheit ist so groß und stark geworden, weil unser geniales Gehirn genau das beständig tut. Aber wir leben nicht mehr in der Steinzeit. Daher Vorsicht:

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Wir dürfen und müssen nicht alles glauben, was uns das Gehirn liefert, ganz besonders nicht beim Thema Schuld. Denn echte Schuld braucht mehrere Faktoren, ich gehe von 7 aus. Eine bloße "Verursachung" oder "Fehlentscheidung" reicht dafür nicht. Ein Beispiel: Keinesfalls trifft jene Menschen eine echte Schuld, die vor einigen Wochen infiziert waren, aber das nicht wussten und dadurch die Erkrankung von anderen verursacht haben. Denn sie hatten damals keine echte Wahlmöglichkeit, konnten also nicht zwischen ihnen bekannten Alternativen entscheiden. Und es gab damals kein Gesetz, das sie missachtet haben.

Jetzt ist die Lage anders. Heute gibt es sowohl Wissen um das Ansteckungspotenzial als auch die Pflicht zur Vermeidung von Kontakt. Wer nun wissentlich ein Risiko für sich und andere in Kauf nimmt, lädt (zumindest moralische, vielleicht auch gesetzliche) Schuld auf sich.

Einige Menschen in meiner Umgebung fühlen sich jedoch ziemlich schuldig, obwohl sie es ganz sicher nicht sind, weil die sieben Kriterien echter Schuld nachweislich nicht erfüllt sind. Mehr zu den Faktoren für echte Schuld und die Dynamik von unberechtigten Schuldgefühlen finden Sie in meinem Buch "Schuldgefühle" und in zukünftigen Blogartikeln.

Ich finde es unrecht und anzumaßend, über EntscheidungsträgerInnen in Politik oder Wirtschaft nur aufgrund einzelner Informationen, die über fünf Ecken in die Medien und dann zu uns kommen, zu richten. Die Frage: "Was genau wurde von wem wann wie auf welcher Wissensgrundlage getan oder entschieden?" ist natürlich wichtig. Denn aus richtigen und falschen Schritten kann man viel für zukünftige Bedrohungen durch Infektionskrankheiten lernen und zukünftige Risiken besser abschätzen. Doch wie gesagt, etwas zu verursachen - zum Beispiel durch eine (fehlende) Entscheidung - bedeutet nicht, es im moralischen oder gesetzlichen Sinn zu verschulden. Das allerdings ist leider unser spontaner Gedanke, manchmal samt einem belastenden Schuldgefühl oder der wütenden Schuldzuweisung.

Dazu kommt noch die deutsche Umgangssprache, welche die Begriffe "Schuld" und "Ursache" meistens in einen Topf wirft. Wer sagt, "das Regenist schuld", meint in der Regel nur, dass Regen etwas verursacht hat und ihn keineswegs echte Schuld in moralischer oder gesetzlicher Sicht trifft.

Zurück zu Corona: Vielleicht findet sich an verschiedenen Punkten klar echte Schuld, die selbstverständlich Konsequenzen haben soll. Manches jedoch konnte man nicht vorhersehen, es war schlichtes Pech, man hatte unvollständige Informationen oder hat Wahrscheinlichkeiten falsch bewertet. EntscheidungsträgerInnen sind auch nur Menschen, die nicht immer alles wissen oder auch mal schlafen müssen. Also selbst dann, wenn sie echte Fehler gemacht haben, muss das keineswegs eine schuldhafte Handlung bedeuten. Ein Urteil darüber sollen doch bitte jene Instanzen fällen, die mehr Details kennen und dafür bezahlt werden, also nicht Sie und nicht ich. Und natürlich gilt trotzdem: Auch ohne moralische oder gesetzliche Schuld tragen Menschen in Führungspositionen die Veranwortung für ihre Entscheidungen, denn das ist ein (immerhin meist gut bezahltes) Element des Führungsjobs.

Lassen wir uns jedoch bitte nicht "aufhussen", also nicht emotionalisieren. Lassen wir uns weder in die Panik noch in die exzessive Beschuldigung treiben, denn sonst bleiben Vernunft und Menschlichkeit auf der Strecke.

Und dazu kommt: Niemand weiß, wie es mit Corona weitergeht. Vielleicht werden über die Hochgelobten von heute in einigen Monaten fürchterliche Wellen der Empörung hereinbrechen: Überreaktion! Existenzvernichtend! Schuldig! Sie hätten doch wissen müssen, dass... ! "Im Nachhinein ist jeder klüger", besagt ein wahrlich weiser Spruch. Ich möchte Sie an die Zeit der Vogelgrippe erinnern: Wie haben wir uns in Österreich damals darüber aufgeregt und die Politik kritisiert, als bekannt wurde, dass damals Tonnen von unsinnigen Schutzmasken angekauft wurden. Was für eine Fehlentscheidung! Hätte man damals wissen können, dass Menschen davon nie gefährdet sein werden? Vielleicht ja, vielleicht war es aber auch nur pures Glück, weil das Virus nie mutiert ist, ich weiß es nicht.

Und wie das Leben so spielt: der Fehler von damals wird zum Segen von heute: https://ooe.orf.at/stories/3039829/ In diesem Sinne wünsch ich Ihnen und mir viel Vernunft, gute Gefühle und vor allem: Gesundheit.

11.03.2020

Schuldgefühle machen sympathisch - oder krank?

In meinem neuen Sachbuch "Schuldgefühle" schreibe ich darüber, wie man dieses unangenehme Gefühl erfolgreich ablegen kann. Denn zuviel davon kann uns krank machen oder Beziehungen vergiften.

Doch daneben erfahren Sie darin auch viel über die guten Seiten dieses belastenden Gefühls. Eine davon ist: Sobald uns ein Freund oder eine Geschäftspartnerin ansieht, dass wir ein Schuldgefühl haben, werden wir automatisch als vertrauenswürdiger eingestuft. Auch wir gewähren jemandem, der sichtlich unter einem Schuldgefühl leidet, einen solchen Vertrauensvorschuss. So das Ergebnis einer Studie (s.u.).

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Und damit liegen wir meistens richtig: Immerhin "veröffentlichen" Schuldgefühle, dass jemand moralische oder soziale Regeln verinnerlicht hat, die eine Richtschnur für das Verhalten bieten. Kenne ich diese Regeln von einem Menschen, dann kann ich dessen Verhalten recht gut vorhersagen. Zum Beispiel: "Dieser Person ist wichtig, dass sie niemanden schädigt. Also wird sie das auch bei mir nicht tun." 

Dieses Studienergebnis liefert somit einen weiteren Beweis für die Kernaussage meines Buches: Die meisten Schuldgefühle entstehen deshalb, weil wir eine verinnerlichte, wichtige Regel missachten. Das Vermeiden solcher Gefühle motiviert, dass wir uns uns zukünftig daran halten.

In einer psychologischen Studie wurde genau diese Bedeutung von Schuldgefühlen im sozialen Miteinander eindrucksvoll bestätigt, Sie zeigt, dass unsere Einschätzung: "Wie stark neigt eine Person zu Schuldgefühlen?" beeinflusst, wie sehr wir dieser Person vertrauen: Je mehr, umso mehr. Mehr dazu: https://psylex.de/psychologie-lexikon/persoenlichkeit/schuldgefuehle.html  oder https://psycnet.apa.org/doiLanding?doi=10.1037%2Fpspi0000136

 

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